Wie du deine Stimme schützt und den Heilungsprozess unterstützt
Kaum etwas ist für Sänger:innen oder Sprecher:innen so belastend wie eine Erkältung. Die Stimme klingt belegt, das Singen oder Sprechen strengt plötzlich an – und oft stellt sich die Frage: Soll ich weitersingen oder lieber schweigen?
In diesem Artikel erfährst du, was in deinem Körper bei einer Erkältung passiert, wie du deine Stimme schonend pflegst und welche Übungen und Hausmittel dich sicher durch die Krankheitsphase bringen.
Inhaltsverzeichnis
- Was passiert bei einer Erkältung mit Hals und Kehlkopf?
- Welche Formen der Erkältung gibt es?
- Stimmschonung ja oder nein – wie du eine Stimmlippenschwellung erkennst
- SOVT – sanftes Training trotz Erkältung
- Übungen bei Stimmschonung
- Hausmittel bei Erkältung
- Massage zur Verbesserung des Lymphabflusses
- Kinesiotape bei Erkältung
- Abschluss
1. Was passiert bei einer Erkältung mit Hals und Kehlkopf?
Eine Erkältung betrifft meist zuerst die Schleimhäute im Nasen-Rachenraum (Pharynx). Die Schleimhäute schwellen an, produzieren mehr Sekret, und die Atemwege werden enger.
Wenn sich die Entzündung auf den Kehlkopf (Larynx) ausbreitet, kommt es häufig zu einer Laryngitis – also einer Kehlkopfentzündung. Dabei schwellen die Stimmlippen an und schließen nicht mehr vollständig. Das führt zu Heiserkeit, Luftigkeit in der Stimme oder völliger Stimmlosigkeit.
💡 Tipp: Schon leichte Heiserkeit ist ein Warnsignal. In dieser Phase weiterzusprechen oder zu singen, kann die Heilung deutlich verzögern.
2. Welche Formen der Erkältung gibt es?
- Erkältung der oberen Atemwege: Schnupfen, Halsschmerzen, leicht belegte Stimme durch das herablaufende Sekret (kann abgehustet werden und die Stimme wird wieder klarer).
- Akute Kehlkopfentzündung (Laryngitis): leichte bis starke Heiserkeit, Stimmabbrüche, Reiz zu räuspern, häufig trockener Husten bis hin zu komplettem Verlust der Stimme (Aphonie), hoher Verlust von Atemluft beim Sprechen.
- Bronchitis: Tritt manchmal als Folge auf; tiefer Husten, Brustschmerz, erst trocken, dann starke Schleimbildung.
3. Stimmschonung ja oder nein – Stimmlippenschwellung durch Übungen erkennen
Absolute Stimmruhe ist sinnvoll, wenn du sehr heiser bist und definitiv wenn du ganz stimmlos bist. In leichten Fällen ist weniges, entspanntes Sprechen erlaubt. Durch korrekt durchgeführte SOVT´s kannst du sogar die Stoffwechselprozesse in deinen Stimmbändern anregen und Sekret von deinen Stimmbändern ableiten. Weniger ist hier aber definitiv mehr!
Anzeichen einer Stimmlippenschwellung:
- Heisere, raue Stimme
- Druckgefühl oder Kratzen im Hals
- Stimme bricht oder klingt „luftig“
- Nach dem Sprechen: Müdigkeitsgefühl im Hals
Wenn diese Symptome länger als 3 Tage bestehen, solltest du deine Stimme komplett schonen und ggf. ärztlich abklären lassen.
Im folgenden Video erkläre ich dir wie ich überprüfe ob meine Stimmbänder geschwollen sind und entscheide ob ich SOVT´s machen kann oder ob Stimmruhe sinnvoll wäre.
Zusammenfassung des Videos:
1. Übung: Glottalverschluss überprüfen
Der Glottalverschluss ist wie ein geflüsterter stimmloser Vokal. Du kannst also versuchen mit so wenig Druck wie möglich ein „a“ zu flüstern.
Versuche so viel Luft wie möglich zu reduzieren bis du nur noch ein zartes „Zusammenkommen“ der Stimmlippen hören kannst. Ist das möglich? (Wahrscheinlich kannst du SOVT´s machen)
Kommt ganz viel Luft durch die Stimmbänder und du brauchst viel Kraft um die Stimmbänder zusammen zu bekommen (eventuell hast du eine Schwellung in den Stimmbändern oder Sekret liegt darauf- gehe zur nächsten Übung.)
2.Übung Singe ein „u“ im Falsett
Setze den hohen Ton so an, dass du ihn normalerweise einfach singen könntest. Du brauchst kein Klavier, mach es einfach nach deinem Gefühl. Sing den Ton ganz zart an. Bitte versuch ihn so leise zu singen, wie du nur kannst.
Hörst du am Beginn des Tones wie deine Stimmbänder direkt den Ton formen? (Dann kannst du übergehen zu den SOVT´s)
Oder ist der Ton am Anfang luftig und du hörst einen behauchten Ton (Hörbeispiel im Video)?
(Dann kommen deine Stimmbänder nicht ohne Kraft zusammen und es spricht für eine Verdickung der Schleimhaut-> deine Stimmbänder brauchen eine Pause)
Wenn du voher bereits keine hohen Töne mit einem vollständigen Stimmbandschluss singen konntest, ist diese Übung für dich wenig aufschlussreich. Ein vollständiger Stimmbandschluss ist jedoch Grundlage für den Aufbau physiologischen Singens. Solltest du das Lernen wollen such dir einen Gesangslehrer. Besonders wenn du bemerkst, dass du häufig mit Heiserkeit zu tun hast. Dann bin ich als Logopädin und Gesangslehrerin für dich vielleicht genau die Richtige Person.
4. SOVT – Semi-Occluded Vocal Tract -Übungen
sanftes Training trotz Erkältung
SOVT (Semi-Occluded Vocal Tract)-Übungen sind ideal bei einer leichten Erkältung.
Semi-Occluded Vocal Tract bedeutet so viel wie „ein fast geschlossendes Ansatzrohr /Vokaltrakt“.
Der Vokaltrakt besteht aus drei Räumen oder sog.“Höhlen“:
Rachenraum (Rachenhöhle), Mundraum (Mundhöhle) und Nasenraum (Nasenhöhle).
Bei den SOVT´s wird dieser Raum zum Teil geschlossen durch den Schluss der Lippen beim Summen oder beim Blasen durch einen Schlauch wie zum Beispiel bei LaxVox.
Durch den Teilverschluss des Vokaltraktes entsteht ein sanfter Gegendruck, der zur Entlastung der Stimmlippen führt.
Hier Beispiele:
Lax Vox
Für diese Übung brauchst du einen LAXVOX-Blubberschlauch.
Ich liebe diese Übung nicht erst, aber besonders seid ich die Fortbildung bei LAXVOX gemacht habe.
Schau dir das Video von Stephanie Kruse an und sie wird dich anleiten wie du den Schlauch richtig benutzt.
Wichtig ist immer, dass du alles ganz entspannt machst.
🎵 Profi-Tipp: Ich hab immer eine LAXVOX-Flasche mit meinem Schlauch im Auto, so kann ich auf dem Weg zu einer Probe, oder vor oder nach meinem Hausbesuch meine Stimme entspannen.
Stimmkauen
Das sog. Stimmkauen ist eine Kombination aus „kauen“ und „summen“. Durch die Kaubewegung und das entspannte Bewegen der Zunge von rechts nach links (normales Muster beim kauen) bleibt der Kehlkopf entspannt und liegt in einer tiefen Position. Durch ein „mmmmh“ werden die Stimmbänder in deiner Indifferenzlage zusammengebracht.(eine Stimmlage die für dich weder anstrengend noch unterspannt ist, deine mittlere Sprechstimmlage also) .
Die Stimmbänder können so entspannt zusammenkommen und es kann Schleim bei der Erkältung gelöst werden.
Wenn die Nase komplett geschlossen ist, geht diese Übung nicht, da keine Luft durch die Nase entweichen kann. Ist die Nase verstopft, aber es löst sich etwas, führt diese Übung sogar oft zur Verbesserung des Sekretabflusses.
Strawphonation
Strawphonation bezeichnet eine Stimmübung, bei der durch einen Trinkhalm (engl. straw) phoniert wird – also Töne produziert werden, während Luft durch den Halm ausgeatmet wird.
Das Prinzip ähnelt dem Prinzip vom LAXVOXen. Allerdings ist es ein weniger schwieriger, da der Gegendruck des Wassers nicht da ist und gleichzeitig die Massage durch die Wasserschwingung ausbleibt. Beim LAXVOX ist die Größe des Schlauches so gewählt, dass die Kieferöffnungsweite ausreichend ist, was bei einem Strohhalm kleiner sein kann und zu mehr Verspannung im Kiefer führen kann. Also Vorsicht für alle von euch, die Kieferspannung haben oder Lippen und Wangen anspannen.
Singen in den Plastikbecher
Durch den Becher kommt es zum Teilverschluss wie wir ihn für die SOVT`S brauchen, gleichzeitig reflektiert der Becher die Schallwellen zurück in den Mund-, Nasen- und Stirnraum – dort, wo viele Lehrer von „Maske“ sprechen.
Ziel:
- Die Stimme soll nach vorn geführt werden.
- Die Resonanzräume im Gesicht (v. a. Nasen- und Stirnregion) werden aktiviert.
- Dadurch entsteht ein entspannter, tragfähiger, obertonreicher Klang.
Der Becher fungiert wie eine Miniresonanzkammer, die den Schall teilweise zurückwirft. Diese Rückkopplung unterstützt das Gefühl der Platzierung in der Maske – die Stimme „schwingt vorn“, ohne Druck im Hals zu erzeugen.
Praktische Durchführung
- Material: Ein weicher, leichter Plastikbecher (z. B. Einwegbecher oder dünner Mehrwegbecher).
- Anwendung:
- Den Becher locker an den Mund halten, sodass etwas Luft entweichen kann (nicht komplett abdichten).
- Auf „ng“, „m“ oder „n“ summen oder sanft auf „vu“ oder „wu“ singen.
- Achte darauf, dass der Klang in den Becher gerichtet ist.
- Wenn das alles gut klappt, kannst du sogar Übungen damit machen oder Teile deiner Songs damit üben.
- Variation: Der Becher kann leicht gekippt oder vom Mund entfernt werden, um den Widerstand zu verändern.
Summen auf „ng“, „m“, „w“, „s“ – sanftes Training für Resonanz und Stimmbalance
1. Wirkung auf Stimme und Körper
Beim Summen wird der Luftstrom gebremst und gleichmäßig verteilt. Das sorgt für:
- Entlastung der Stimmlippen
- Aktivierung der Resonanzräume
- Förderung der Wahrnehmung
- Sanfte Vibrationen, die den Stimmapparat massieren und durchbluten
- Zentrierung der Atemführung – die Ausatmung wird ruhig und kontrolliert
Diese Kombination macht das Summen zu einer idealen Übung in der Rekonvaleszenz nach Erkältungen, aber auch als tägliche Stimmhygiene- oder Aufwärmübung.
2. Unterschiede der einzelnen Laute
- „ng“ – wie in „soNG“:
Aktiviert stark die Nasenresonanz, fördert eine helle, nach vorn gerichtete Klangwahrnehmung. Perfekt zur Zentrierung und Lockerung. - „m“ – wie in „Mutter“:
Erzeugt weiche Vibrationen im Lippenbereich. Besonders gut geeignet, um den vorderen Stimmsitz zu spüren („in der Maske singen“).Die Lippen sollen nur aufeinander liegen und nicht zusammengepresst sein. - „w“ – wie in „wow“:
Aktiviert die Lippen und das Lippenrund, fördert geschmeidige Artikulation und unterstützt den Luftstrom. Ideal für ein weiches, verbundenes Singen. - stimmhaftes „s“ – wie bei einer summenden Biene:
Schult die feine Atemdosierung, trainiert die Resonanzräume, ohne zu stark zu belasten. Besonders hilfreich für die Kontrolle des subglottischen Drucks.
3. So führst du die Übung aus
- Atme einmal vollständig durch den Mund aus, bis du den Impuls spürst einzuatmen. Lasse die Luft wie ein Reflex „einfallen“ und spüre wie sich dein Bauch nach außen bewegt.
- Summ mit einem angenehmen Laut auf „ng“, „m“, „w“ oder „s“.
- Achte darauf, dass der Klang entspannt, resonant und ohne Druck entsteht. Der Ton darf zu beginn einfach in einer Lautstärke gehalten werden, sodass du den Luftstrom gleichbleibend kontrollierst.
- Dann variiere die Tonhöhe oder gleite sirenenartig auf und ab („Glide“) oder bleibe auf dem dir angenehmen Ton stehen.
Lippenflattern
Das Lippenflattern – auch bekannt als Lip Trill, Lip Bubble – ist eine der klassischsten SOVT-Übungen und bei Social Media überall zu sehen. Dabei werden die Lippen, durch die Luft ausströmende Luft in schnelle Vibration versetzt.
Wenn diese Übung mit Stimme kombiniert wird, also tönendes Lippenflattern, entsteht eine sanfte, gleitende Schwingung, die die gesamte Stimme in Balance bringt – von der Atmung über den Stimmlippenschluss bis hin zur Resonanz. Wichtig ist auch hier, dass dein Kehlkopf in einer tiefen Position bleibt um dich über deine gesamte Range begleiten zu können.
Gerolltes Zungen-R
Das gerollte Zungen-R wirkt ähnlich wie das Lippenflattern: Durch die schnelle Vibration der Zungenspitze entsteht ein sanfter Widerstand im Ansatzrohr, der den Luftstrom reguliert und die Stimmlippen entlastet. Gleichzeitig fördert das R-rollen die vordere Resonanz. Bitte lasse den Rest deines Gesichtes dabei locker, damit es nicht zu kompensatorischen Spannung kommt. Das gerollte R können jedoch nicht alle und es ist nicht notwendig es zu lernen, wenn du es nicht brauchst. Es gibt schließlich noch viele andere Übungen, die dich ans Ziel bringen.
🎵 Diese Übungen helfen, die Schwingung der Stimmlippen zu harmonisieren und die Durchblutung zu fördern – perfekt für die Regeneration.
5. Übungen bei Stimmschonung
Wenn du deine Stimme völlig schonen musst, kannst du folgende Übungen machen:
Denn wenn du mir ähnlich bist, dann fällt es dir auch dann noch schwer, nichts zu machen, wenn du eigentlich nichts machen solltest 😉 .
Vielleicht bleiben wir hier sogar ein bisschen Humorvoll.
- Bauchatmung beim Schnäuzen
- Übungen zur Regulierung des Ausatemstromes
- Isolation zwischen Artikulation und Phonation
Bauchatmung beim Schnäuzen
Wenn du hier auf der Seite gelandet bist, gehe ich davon aus, dass du bereits von costo-abdominalem Atmen oder der „Bauchatmung“ gehört hast. Als Sänger und Sprecher ist es wichtig eine physiologische Atmung zu erlernen und bestenfalls zu automatisieren. Das bedeutet, dass das Zwerchfell sich nach unten spannt um Luft durch die Luftröhre einziehen zu können. Dabei schieb sich das Zwerchfell gegen die im Bauchraum liegenden Organe und der Bauch wölbt sich nach Außen.
Selbst wenn du dieses Muster verinnerlicht hast, finde ich es immer wieder sinnvoll bei einer Erkältung, auch nach gefühlt dem tausendsten mal schnäuzen, mich zu erinnern, dass ich auch beim Nase putze (bei der vorherigen Einatmung) oder Nase hochziehen in den Bauch atme. Schlimmstenfalls hast du dich auf etwas gutes konzentriert, was du bereits beherrschst. Deine Bauchatmung.
Du wirst nicht glauben wie schwierig es ist beim Nase hochziehen in den Bauch zu atmen. Probier es ruhig mal aus.
Übungen zur Regulierung des Ausatemstromes
Um die Stimmbänder zum schwingen zu bringen, brauchen wir den Ausatmstrom. Diese Ausatmung muss ausschlaggebend durch das Zwerchfell, aber auch den Beckenboden und die Zwischenrippenmuskulatur dosiert werden, damit die Stimmlippen im Strom der Luft zum schwingen kommen können. Fehlt es an der sogenannten Stütze durch Zwerchfell und die großen Muskelgruppen, versuchen die vergleichbar kleinen Stimmbänder, gegen den von unten aufsteigenden Druck, anzukommen und haben dementsprechend zu viel Spannung.
Daher gibt es Übungen die die Regulierung des Ausatemstromes trainieren. Hier ein paar Beispiele:
- Stimmlose Zischlaute „s“ (zzzzzhhhh) , „sch“, „f“
- Zischlaute im Takt
- Ausatemstrom mit dem Finger „zerschneiden“
Stimmlose Zischlaute
Zischlaute sind Konsonanten, die durch eine Verängung im Vokaltrakt entsteht und ein sog, Zischen erzeugen. Das wären z.B. ein „s,ch,sch,f“.
Übung1:
Diese Übung kannst du auch erkältet im Bett im Liegen durchführen. Auf dem Rücken fällt es sogar vielen Leuten leichter die Bauchatmung anzusteuern.
- Atme soweit aus, bis du das Bedürfnis verspürst einzuatmen und lasse die Luft in dem Bauch einfallen.
- Spüre die Luft in deinem Bauch und wähle den von dir ausgewählten Zischlaut z.B. „s“
- Nun mache das „s“ solange du kannst und nehme dabei die Spannung wahr.
Hast du Spannung im Bauch?
Spannung im Mundboden?
Spürst du Spannung im Kiefer oder in den Lippen? - Wiederhole die Übung und versuche die Spannung zu lösen. Achtung! Nur das Zwerchfell darf die Spannung halten.
Deine Lippen dürfen locker sein, dein Kiefer, dein Gesicht, dein Hals, deine Hände!!! - Gelingt dir das locker lassen, konzentrieren wir uns auf die Stütze. Wenn du die Luft mit deinem Laut ausströmen lässt, versuche nachzuspüren ob du es schaffst, die nach unten gerichtete Spannung im Zwerchfell aufrecht zu erhalten. Bleib dabei aber flexibel, denn nur was flexibel ist, kann auch schwingen.
Dein Bauch wird unweigerlich langsam Luft entweichen lassen, du versuchst nur dabei deine Muskeln zu trainieren, die Luft zu dosieren.
Übung2. Zischlaute im Takt
Ich liebe diese Übung nicht nur bei Erkältung, sondern grundsätzlich um das Zwerchfell aufzuwecken.
Du brauchst ein Metronom oder verwendest eines online https://metronome-online.com/de .
Stelle das Metronom zu beginn bei 80 BPM und steigere dann jeweils um 10 BPM bis du dein Limit erreicht hast.
- Beginne die Laute „z,z, sch, sch, f,f“ impulsartig ausströmen zu lassen. Mache das solange bis du wieder einatmen musst und beginne von vorn.
- Achte darauf bei der Einatmung schnell und trotzdem in den Bauch einzuatmen.
Besonders desto schneller du wirst, wird es eine größere Herausforderung.
Übung3.Luft mit den Finger „zerschneiden“
Eine Übung, die ich ebenfalls auch als „Tür und Angel-„Übung beschreiben würde, weil man sie überall mal eben machen kann.
Sie wirkt harmlos ist allerdings auch ein tolles diagnostisches Tool. In Zukunft werdet ihr mich diese Übung in anderem Kontext wiederholen sehen. Aber für die Erkälteten unter euch ist die Übung einfach ein kleines Gimik um sich bei der Erkältung nicht tatenlos zu fühlen.
- Forme deine Lippen zu einem „u“ und puste die Luft stimmlos heraus,
- Dabei nimmst du deinen Zeigefinger und bewegst ihn vor deinen Lippen durch den Luftstrom, sodass du spüren kannst wie der Luftstrom durchschnitten wird.
- Hörst du keinen Widerstand der Luft gegen deinen Finger?
Dann musst du etwas mehr Luft ausströmen lassen. - Diese Dosierung ist das Ziel dieser Übung. Versuche den Atemstrom solange wie möglich ausströmen zu lassen mit einer Intensität, die sich „zuerschneiden“ lässt.
Isolation der Artikulation von Phonation
Das klingt nun erstmal komisch in den meisten Ohren.
Ja die Artikulation kann man auch üben ohne zu sprechen.
Für mich war diese Übung Gold wert, da ich meinen Kiefer zeitweise beim singen „zu viel“ eingesetzt habe. Dadurch kam es zu dauernd sich ändernden Spannungszuständen im Kehlkopf, die mir das singen erschwert haben.
Seitdem ich diese Übung mache, ist es für mich einfacher geworden meinen Kehlkopf während des Singens „in Ruhe zu lassen“. Das bedeutet, mein Kehlkopf steht in der Position, passend zur Tonhöhe und Technik während meine Zunge die Konsonanten formt, die den Luftstrom zu Worten formen.
Aber jetzt zur Übung:
Der Einfachheit zu liebe nehmen wir für diese Übung nur die Konsonanten „t,l,n,k,“. Bedenke alle Konsonaten werden jetzt ohne Stimme produziert.
- Öffne den Mund so als ob du singen wolltest, also mit etwa 2- Finger-weitem Abstand zwischen den Zähnen.
- Dann hebe deine Zunge an als ob sie den Konsonanten sprechen würde ohne ihn zu sprechen.
- Dann lass sie Zunge einfach wieder an ihren Ursprungsort zurück fallen.
- Wiederhole diese Bewegung mit zunehmender Geschwindigkeit, um die schnelle Artikulationsgeschwindigkeit zu trainieren. Gleichzeitig trainierst du den Rest deines Gesichtes und Kiefers nicht zu bewegen.
6. Hausmittel bei Erkältung
- Inhalationen mit Kochsalz oder Kamille (feuchtet Schleimhäute an)
- Wärme: Halswickel oder Wärmflasche im Nacken
- Viel trinken: stilles Wasser, Tee
- Luftfeuchtigkeit: mindestens 50 % im Raum
- Nasendusche mit Salzwasser
- Schonung & Schlaf – klingt banal, ist aber essenziell für die Heilung
Ich möchte hier einmal hinweisen, dass nur das Inhalieren tatsächlich an die Stimmbänder kommt. Durch das Einatmen belangt der Wasserdampf an die Stimmlippen und kann dort zur Verbesserung der Symptome beitragen.
Da der Kehlkopf primär zum Schutze der Atemwege bei dem Schluckvorgang ist, kommt kein Lebensmittel an die Stimmbänder!
Tee trinken und Honig löffeln ist super, allerdings reduziert sich der heilende Effekt auf den Rachenbereich und ist natürlich gut für den gesamten Körper. Tee und Honig gelangt jedoch bei Menschen ohne Schluckstörung nicht auf die Stimmbänder! Das ist ein Mythos, der sich leider immer noch im Internet aufhält.
7. massage zur Verbesserung des Lymphabflusses
Eine sanfte manuelle Lymphdrainage im Halsbereich kann helfen, Schwellungen zu reduzieren und den Sekretabfluss zu fördern.
💆♀️ Anleitung (Selbstmassage)Beidseitig 30x wiederholen :
- Beginne oberhalb deiner Schlüsselbeine mit den Fingerkuppen zu klopfen.
- Dann gleite mit den Fingerkuppen den Muskel von deinem Ohr bis zu den Schlüsselbeinen hinunter (M. Sternocleidomastoideus).
- Dann setzte hinten am Schädel an und streiche deinen Nacken nach hinten abwärts. Wahrscheinlich spürst du hier auch die geschwollenen Lymphbahnen.
- Nun setzte an deiner Nasenwurzel an. In kleinen streichenden Bewegungen gehst du abwärts an die Nasenmuschel und streichst dann in Richtung Mund aus.
- Setzte nun wieder an der Nasenwurzel an und streiche seitlich über die Kieferhöhle aus indem du seitlich über den Oberkiefer ausstreichst.
- Nun wandere von der Nasenwurzel über die Stirn bis zur Schläfe.
- Wiederhole nun die Schritte 3.2.&1 in der Reihenfolge. auf diese Weise stimulierst du den Abfluss von oben nach unten zur Körpermitte.
Diese Technik kann auch vor dem Schlafengehen oder nach Inhalationen angewendet werden.
8. Kinesiotape bei Erkältung
Kinesiotape kann im Bereich des Halses oder der Brust sanft die Durchblutung fördern und Verspannungen im Kehlkopfbereich lösen.
Allerdings sollte das nur von jemandem mit Tape-Erfahrung angelegt werden – falsche Kleberichtung kann kontraproduktiv wirken.
Es gibt jedoch auch eine einfache Lösung für dich Zuhause.
Es gibt sogenannte Gittertapes, die du einfach selbst im Drogeriemarkt kaufen kannst.
Dieser Gittertape hebt das Gewebe leicht an und stimuliert die Stelle, dadurch kommt es zu einem akkupressurähnlichen Ereignis.
Während einer Erkältung kannst du diesen zB. auf den Punkt für das Mittelohr kleben, um das Mittelohr zu entlasten. Dieser befindet sich direkt vor dem Tragus.
Lege deinen Finger kurz vor den Tragus an deinem Ohr und öffne dem Mund. Entsteht eine kleine Kuhle an der Stelle wo dein Finger liegt, hast du den Punkt gefunden. Genau hier kannst du dein Crosstape/Gittertape drauf kleben.
Lass das Tape solange drauf wie es für dich angenehm ist oder bis es beim duschen von alleine ab geht.
Tipp: Es gibt spezialisierte Tape-Anlagen für Stimmapparat und Larynxregion, die Logopäd:innen oder Physios mit Zusatzausbildung anwenden können. Bei mir in der Stunde können wir das gerne besprechen und anlegen, wenn du daran Interesse hast.
Abschluss
Eine Erkältung ist keine Katastrophe – aber ein Signal deines Körpers, langsamer zu machen. Wenn du deiner Stimme in dieser Zeit Aufmerksamkeit und Pflege schenkst, regeneriert sie sich meist vollständig.
Wichtig: Kein Auftritt, kein Unterricht, kein Gesang ist es wert, deine Stimmbänder dauerhaft zu schädigen.
Mit Ruhe, Feuchtigkeit und gezielter Stimmhygiene bist du bald wieder voll einsatzfähig – und vielleicht klingt deine Stimme danach sogar wärmer und freier als zuvor.
